Es scheint ganz selbstverständlich zu sein: Beim Musizieren oder Tanzen sind die Partner darauf bedacht, aufeinander zu hören und ihre Bewegungen einem gemeinsamen Rhythmus anzupassen. Doch diese Fähigkeit zur "rhythmischen Synchronisation" unterscheidet den Menschen sogar von seinen nächsten Verwandten: Gorillas und Schimpansen trommeln zwar auch gern auf Brust und Baumstamm, kommen aber nie auf die Idee, ihr Trommeln mit dem eines Artgenossen abzustimmen. Sebastian Kirschner und Michael Tomasello vom Max-Planck-Institut für Evolutionäre Anthropologie in Leipzig haben dieses typisch menschliche Verhalten näher untersucht. Sie stellten fest, dass Kinder schon im Alter von zweieinhalb Jahren spontan und ohne Aufforderung ihre Bewegungen einem akustischen Beat anpassten, selbst wenn dessen Tempo erheblich von ihrem eigentlichen Körperrhythmus abwich. Noch besser gelang dies den kleinen Probanden allerdings, wenn ein menschlicher Partner den Rhythmus beim Trommeln vorgab. Als die Forscher einen "drum computer" einsetzten, sank bei den 36 Kindern verschiedener Altersstufen die Bereitschaft zur Synchronisation erheblich. Kirschner und Tomasello sehen dies als Beleg dafür, dass sich menschliche Musikalität im sozialen Kontext entwickelt hat und nicht etwa nur ein abstraktes Nebenprodukt unserer allgemeinen kognitiven Fähigkeiten ist. In einem Folgeversuch wollen die Wissenschaftler nun herausfinden, inwieweit gemeinsames Musizieren die Bereitschaft von Kindern fördert, einander zu helfen. Nach ihrer Theorie zum sozialen Ursprung der Musik werden die Gemütszustände der Musizierenden durch gemeinsames Singen und synchrone Bewegungen angeglichen. Dies stärkt das Einfühlungsvermögen und die Verbundenheit mit der Gruppe. Trommeln für eine bessere Gesellschaft?