Kein Buch hat mich in der letzten Zeit so sehr beeindruckt, wie „Finnegans Wake“ von James Joyce - und kein Buch hat mich gleichermaßen so sehr verwirrt. Dabei habe ich mich redlich bemüht es zu lesen, es zu erfassen und es zu verstehen. Ich versuchte das Buch im Original zu lesen, ich versuchte unterschiedliche Übersetzungen zu lesen, ich versuchte es mir laut vorzulesen und ich versuchte es mir vorlesen zu lassen. Ich habe sogar versucht Finnegans Wake rückwärts zu lesen - zugegeben eine Verzweiflungstat.
Kein Weg führte mich ans Ziel. Kein Wehg führte mich zu Finnegan. Ich fühlte mich, wie sich ein Mensch fühlen muss, der an einer Störung des Sprachverständnisses (Störung des Wernicke-Areals) leidet und das, was er hört oder liest, nicht mit Sinn füllen kann. Der das Gelesene wahrnimmt, wie eine mißtönende Symphonie aus zusammenhangslosen Buchstaben und Worten. Das Buch erschloss sich mir nicht und am Ende gab es nur erfurchtsvolle Ratlosigkeit vor einem wahrscheinlich großen Stück Weltliteratur.
Und nun? Was ist eigentlich Finnegans Wake? Genie oder Wahnsinn? Eine Geschichte, die sich nicht jedem erschließen wird, oder ein Scherz des Autors mit der Literaturkritik? Ich für meinen Teil kann mich noch nicht so recht entscheiden und wäre für jedwede erklärende Entscheidungshilfe dankbar (möglichst in vier zusammenhängenden und verständlichen Sätzen).